Block 2 — Vorbereitung

Mikroökonomische Entscheidungen

Worum es geht

Block 2 öffnet die Werkzeugkiste der ökonomischen Entscheidungstheorie. Im Zentrum steht das Rational-Choice-Modell: Wie wählt ein Akteur unter Knappheit zwischen Alternativen? Wir bauen schrittweise das grafische Vokabular auf — Indifferenzkurven, Budgetrestriktion, Optimum als Tangentialpunkt — und fragen dann gleich kritisch nach: Wie weit trägt dieses Modell, wenn Menschen begrenzt rational handeln, kognitive Verzerrungen ihre Wahl prägen, oder wenn ökonomische Trugschlüsse (Lump of Labour) die öffentliche Debatte bestimmen?

So arbeiten wir

Der Kurs nutzt die Jigsaw-Methode: Jede Sitzung wird durch vier Vorbereitungsaufträge eingeleitet, die sich auf vier komplementäre Teilthemen beziehen. Sie werden von vier zufällig gebildeten Gruppen parallel bearbeitet — jede Gruppe konzentriert sich auf einen Auftrag und bringt ihre Erkenntnisse in die Präsenzsitzung ein, wo wir die Stränge zusammenführen.

Konkret bedeutet das:

  • Die Gruppeneinteilung erfolgt für jeden Block neu über MS Teams Aufgaben (zufällig).
  • Jede Gruppe nutzt ihren eigenen MS Teams Kanal zur Kollaboration und zur Veröffentlichung der Ergebnisse (Whiteboard-Foto, OneNote-Antwort, Verständnisprobleme, Erledigt-Post).
  • In der Präsenzsitzung präsentiert jede Gruppe ihren Auftrag den anderen.
  • Anschließend integrieren wir die Stränge zu einem Gesamtbild — siehe Lernziele für die Präsenz unten.
TippHinweis zur Klausurvorbereitung

Auch wenn jede Gruppe nur einen Auftrag bearbeitet — alle vier Aufträge sind hier sichtbar. Klappen Sie die Akkordeon-Boxen unten gerne auf, um die Vorbereitungsaufträge der anderen Gruppen einzusehen. Für die Klausurvorbereitung ist die Auseinandersetzung mit allen vier Strängen wichtig.

Lernziele für die Präsenz

Durch die Zusammenführung der vier Gruppenerkenntnisse in der Sitzung erarbeiten wir:

  • Constrained Choice grafisch lösen und die Ergebnisse interpretieren können.
  • Einkommens- vs. Substitutionseffekt unterscheiden und auf KI-induzierte Lohnänderungen anwenden.
  • Den Lump-of-Labour-Trugschluss erkennen und in der Automatisierungsdebatte einordnen.
  • Die Reichweite und Grenzen des Rational-Choice-Modells reflektieren.

Vorbereitungsaufträge

Klicken Sie auf den jeweiligen Auftrag, um die Details auszuklappen.

Lernziele

  • Methodisch: Ihr könnt ein Constrained-Choice-Problem grafisch lösen (Feasible Set, Indifferenzkurven, Optimum als Tangentialpunkt).
  • Inhaltlich: Ihr versteht die ökonomische Grundlogik: Akteure maximieren ihren Nutzen unter Nebenbedingungen (Budgetrestriktion).

Leseauftrag

  • CORE Micro Kap. 3, Abschnitte 3.1 bis 3.6 – Lest diese Abschnitte vollständig. Achtet besonders auf die schrittweise Herleitung von Indifferenzkurven (3.3), dem Feasible Set (3.4) und dem Optimum (3.5). Arbeitet die interaktiven Abbildungen im Online-Text durch.

Whiteboard-Aufgabe

Zeichnet ein Rational-Choice-Modell für die Arbeit-Freizeit-Entscheidung (y-Achse: Konsumgüter/Einkommen; x-Achse: Freizeit in Stunden pro Tag). Zeichnet die Budgetrestriktion und eine Indifferenzkurve ein. Markiert das Optimum (Tangentialpunkt) und beschriftet alle Achsen und Kurven.

Leitfrage (ca. 250 Wörter in OneNote)

Das Constrained-Choice-Modell in CORE 3.1–3.6 zeigt, wie ein Akteur seine optimale Kombination aus Freizeit und Konsum findet. Erklärt anhand des Textes: (a) Warum ist das Optimum genau dort, wo die Indifferenzkurve die Budgetrestriktion tangiert (und nicht schneidet)? (b) Was bedeutet die Grenzrate der Substitution (MRS) ökonomisch, und warum muss sie im Optimum dem Lohnsatz entsprechen? Nutzt für eure Erklärung die Abbildungen aus dem Text.

KI-Teaser (für die Präsenz)

Macht euch Gedanken: Was passiert in eurem Modell, wenn KI-Software den Stundenlohn einer Person verdoppelt? Verschiebt sich die Budgetrestriktion – und wie?

Verständnisprobleme

Notiert euch Begriffe oder Argumentationsschritte, die ihr beim Lesen nicht nachvollziehen konntet, zur Klärung in der Präsenzveranstaltung.

Abgabe-Checkliste

Lernziele

  • Methodisch: Ihr könnt den Einkommens- und Substitutionseffekt einer Lohnänderung grafisch voneinander isolieren.
  • Inhaltlich: Ihr versteht, warum eine Lohnerhöhung nicht eindeutig zu mehr oder weniger Arbeit führt, und kennt die „Human Agency Scale” als empirisches Konzept.

Leseauftrag

  • CORE Micro Kap. 3, Abschnitte 3.7 bis 3.8 – Lest diese Abschnitte vollständig. Arbeitet die schrittweise Zerlegung in Einkommens- und Substitutionseffekt anhand der Abbildungen durch.
  • Shao et al.: „WORKBank” (2025) – Lest gezielt den Abschnitt zur Definition der Human Agency Scale (HAS), Stufen H1 bis H5 (Abschnitt 2.2, ca. 2 Seiten). Schaut euch Abbildung 7 an (Ranking nach Human Agency vs. Lohn).

Whiteboard-Aufgabe

Zeichnet in ein Arbeit-Freizeit-Diagramm (wie in Gruppe 1) die Zerlegung einer Lohnerhöhung in Einkommenseffekt und Substitutionseffekt (mit Hilfslinie). Skizziert daneben die HAS-Skala (H1 = volle Automatisierung gewünscht bis H5 = volle menschliche Kontrolle gewünscht) und ordnet je ein Aufgabenbeispiel zu.

Leitfrage (ca. 250 Wörter in OneNote)

CORE 3.7 zeigt, dass eine Lohnerhöhung zwei gegenläufige Effekte hat: Der Substitutionseffekt macht Freizeit „teurer” (man arbeitet mehr), der Einkommenseffekt macht es möglich, sich mehr Freizeit zu „leisten” (man arbeitet weniger). Erklärt anhand des Textes: (a) Unter welchen Bedingungen dominiert der Einkommenseffekt – wann arbeitet eine Person bei höherem Lohn also weniger? (b) Was zeigt die HAS-Skala von Shao et al. über die Frage, bei welchen Aufgabentypen Arbeitnehmer menschliche Kontrolle bevorzugen, auch wenn Automatisierung möglich wäre?

KI-Teaser (für die Präsenz)

Überlegt: Wenn KI euren Reallohn erhöht – würdet ihr eher mehr oder weniger arbeiten? Welche Aufgaben würdet ihr abgeben, welche nicht?

Verständnisprobleme

Notiert euch Begriffe oder Argumentationsschritte, die ihr beim Lesen nicht nachvollziehen konntet, zur Klärung in der Präsenzveranstaltung.

Abgabe-Checkliste

Lernziele

  • Methodisch: Ihr könnt einen verbreiteten ökonomischen Fehlschluss (Lump of Labour Fallacy) als solchen erkennen und argumentativ widerlegen.
  • Inhaltlich: Ihr versteht, warum die Arbeitsmenge in einer Volkswirtschaft nicht fix ist, und kennt das Konzept der „Abwärtskompatibilität” von Experten.

Leseauftrag

  • Hazlitt: „Economics in One Lesson”, Kapitel 8 („Spread-the-Work Schemes”) – Lest das gesamte Kapitel (ca. 8 Seiten). Achtet auf Hazlitts Kernargument: Warum erhöht künstliche Arbeitszeitverkürzung die Stückkosten?
  • **IAB-Interview mit David Autor: „Does automation replace experts or augment expertise?“** (2025) – Lest das gesamte Interview. Achtet auf Autors Konzept der „Abwärtskompatibilität”: Warum können Experten Aufgaben von weniger qualifizierten Arbeitern übernehmen, aber nicht umgekehrt?

Whiteboard-Aufgabe

Formuliert in Stichpunkten die „Lump of Labour Fallacy” (Es gibt nur eine feste Menge Arbeit, die verteilt werden muss) und zeichnet daneben Hazlitts Gegenargument als Kausalkette: Arbeitszeitverkürzung → höhere Stückkosten → höhere Preise → weniger Nachfrage → weniger Beschäftigung. Notiert daneben Autors „Abwärtskompatibilität” als Schutzmechanismus.

Leitfrage (ca. 250 Wörter in OneNote)

Hazlitt argumentiert gegen Arbeitszeitverkürzung als Mittel gegen Arbeitslosigkeit. Autor beschreibt, warum hoch qualifizierte Arbeitnehmer bei Automatisierung besser geschützt sind. Erklärt anhand der Texte: (a) Warum führt laut Hazlitt eine erzwungene Verkürzung der Arbeitszeit nicht zu mehr Beschäftigung, sondern zu höheren Kosten? (b) Was meint Autor mit „Abwärtskompatibilität” von Experten, und warum schützt hohe Expertise vor Verdrängung durch Automatisierung?

KI-Teaser (für die Präsenz)

Überlegt: Sollte die Politik als Antwort auf KI die Arbeitszeit gesetzlich verkürzen? Was würden Hazlitt und Autor dazu sagen?

Verständnisprobleme

Notiert euch Begriffe oder Argumentationsschritte, die ihr beim Lesen nicht nachvollziehen konntet, zur Klärung in der Präsenzveranstaltung.

Abgabe-Checkliste

Lernziele

  • Methodisch: Ihr lernt, systematische Abweichungen vom Modell des rationalen Nutzenmaximierers (Biases) zu identifizieren.
  • Inhaltlich: Ihr versteht Herbert Simons Konzept der „Bounded Rationality” und die Sunk Cost Fallacy als konkrete kognitive Verzerrung.

Leseauftrag

  • Herbert Simon: Nobelpreisrede 1978 – Lest gezielt die Abschnitte zu „Bounded Rationality” und „Subgoal Identification” (ca. die ersten 10 Seiten der Rede). Simons Kernfrage: Warum optimieren Menschen nicht wie der Homo oeconomicus, sondern nutzen Daumenregeln („satisficing”)?
  • Goolsbee/Levitt/Syverson: Microeconomics, Kapitel 18 – Lest den Abschnitt zur Sunk Cost Fallacy (Behavioral and Experimental Economics). Achtet auf die Definition: Warum sind bereits entstandene und unwiderrufliche Kosten für rationale Entscheidungen irrelevant – und warum berücksichtigen Menschen sie trotzdem?

Whiteboard-Aufgabe

Erstellt eine zweispaltige Gegenüberstellung: Spalte 1 – Homo oeconomicus: Optimiert vollständig, ignoriert Sunk Costs, hat unbegrenzte Informationsverarbeitung. Spalte 2 – Realer Mensch (Simon/Goolsbee): Satisficing statt Optimierung, fällt auf Sunk Costs herein, nutzt Daumenregeln. Tragt je ein Beispiel aus den Texten ein.

Leitfrage (ca. 250 Wörter in OneNote)

Das Rational-Choice-Modell (Block 2, Gruppe 1) unterstellt, dass Menschen optimal entscheiden. Simon und Goolsbee zeigen Grenzen dieses Modells. Erklärt anhand der Texte: (a) Was versteht Simon unter „Satisficing”, und warum ist es laut ihm eine vernünftige Strategie unter Unsicherheit? (b) Was ist die Sunk Cost Fallacy laut Goolsbee, und warum ist sie aus Sicht des Rational-Choice-Modells irrational? Nennt jeweils ein konkretes Beispiel aus den Texten.

KI-Teaser (für die Präsenz)

Überlegt: Könnte KI helfen, kognitive Verzerrungen wie die Sunk Cost Fallacy zu überwinden – oder erzeugt sie neue Verzerrungen?

Verständnisprobleme

Notiert euch Begriffe oder Argumentationsschritte, die ihr beim Lesen nicht nachvollziehen konntet, zur Klärung in der Präsenzveranstaltung.

Abgabe-Checkliste

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