Block 4 — Vorbereitung

Institutionen und strategisches Verhalten

Worum es geht

Block 4 verlässt die Welt des einzelnen, isoliert handelnden Akteurs. Sobald mehrere Akteure ihre Entscheidungen aufeinander beziehen, kommt Spieltheorie ins Spiel. Sobald Verträge unvollständig sind, werden Macht und Identität zu ökonomischen Kategorien. Sobald Information ungleich verteilt ist, drohen Märkte zu kollabieren (Lemons-Problem). Und über allem stehen Institutionen — die Regeln des Spiels — die bestimmen, wer welche Wahlmöglichkeiten hat. Hayek und Ostrom liefern uns hier zwei der wichtigsten ökonomischen Beiträge des 20. Jahrhunderts.

So arbeiten wir

Der Kurs nutzt die Jigsaw-Methode: Jede Sitzung wird durch vier Vorbereitungsaufträge eingeleitet, die sich auf vier komplementäre Teilthemen beziehen. Sie werden von vier zufällig gebildeten Gruppen parallel bearbeitet — jede Gruppe konzentriert sich auf einen Auftrag und bringt ihre Erkenntnisse in die Präsenzsitzung ein, wo wir die Stränge zusammenführen.

Konkret bedeutet das:

  • Die Gruppeneinteilung erfolgt für jeden Block neu über MS Teams Aufgaben (zufällig).
  • Jede Gruppe nutzt ihren eigenen MS Teams Kanal zur Kollaboration und zur Veröffentlichung der Ergebnisse (Whiteboard-Foto, OneNote-Antwort, Verständnisprobleme, Erledigt-Post).
  • In der Präsenzsitzung präsentiert jede Gruppe ihren Auftrag den anderen.
  • Anschließend integrieren wir die Stränge zu einem Gesamtbild — siehe Lernziele für die Präsenz unten.
TippHinweis zur Klausurvorbereitung

Auch wenn jede Gruppe nur einen Auftrag bearbeitet — alle vier Aufträge sind hier sichtbar. Klappen Sie die Akkordeon-Boxen unten gerne auf, um die Vorbereitungsaufträge der anderen Gruppen einzusehen. Für die Klausurvorbereitung ist die Auseinandersetzung mit allen vier Strängen wichtig.

Lernziele für die Präsenz

Durch die Zusammenführung der vier Gruppenerkenntnisse in der Sitzung erarbeiten wir:

  • Strategisches Verhalten in Standardspielen (Gefangenendilemma, Koordination) analysieren.
  • Hayeks Wissensargument von Ostroms polyzentrischer Governance abgrenzen.
  • Asymmetrische Information und ihre Marktauswirkungen erkennen.
  • Institutionelle Rahmenbedingungen als ökonomische Variable verstehen.

Vorbereitungsaufträge

Klicken Sie auf den jeweiligen Auftrag, um die Details auszuklappen.

Lernziele

  • Methodisch: Ihr könnt Auszahlungsmatrizen aufstellen, dominante Strategien identifizieren und das Nash-Gleichgewicht bestimmen.
  • Inhaltlich: Ihr versteht das Gefangenendilemma und könnt strategische Preissetzung bei wenigen Anbietern analysieren.

Leseauftrag

  • CORE Micro Kap. 4, Abschnitte 4.2 bis 4.4 – Lest vollständig. Arbeitet die Beispiele durch: Simultanee Spiele, dominante Strategien, Nash-Gleichgewicht (4.2–4.3) und das Gefangenendilemma (4.4). Nutzt die interaktiven Auszahlungsmatrizen.
  • CORE Micro Kap. 7, Abschnitt 7.10 – Lest diesen Abschnitt als Anwendung: Wie setzen zwei Firmen (Kit und Wanda) ihre Preise strategisch, wenn sie wissen, dass die Konkurrentin reagiert? Achtet auf Abbildungen 7.24 und 7.25.

Whiteboard-Aufgabe

Reproduziert die Auszahlungsmatrix aus CORE 7.10 (Abbildung 7.25): Kit und Wanda wählen jeweils zwischen „Hoher Preis” und „Niedriger Preis”. Tragt die Auszahlungen ein und bestimmt das Nash-Gleichgewicht für den Fall elastischer Nachfrage (mit der Check-Methode: Würde eine Spielerin einseitig abweichen?). Markiert die dominante Strategie.

Leitfrage (ca. 250 Wörter in OneNote)

CORE 4.2–4.4 führt das Nash-Gleichgewicht ein, CORE 7.10 wendet es auf Preissetzung an. Erklärt anhand der Texte: (a) Was ist ein Nash-Gleichgewicht, und warum weicht keine Spielerin einseitig davon ab? (b) In CORE 7.10 (Abbildung 7.25): Unter welcher Bedingung (elastische vs. unelastische Nachfrage) entsteht ein Preiskampf (Niedrig/Niedrig als Nash-GG), und warum ist dieses Ergebnis für beide Firmen schlechter als gegenseitig hohe Preise?

KI-Teaser (für die Präsenz)

Überlegt: Befinden sich KI-Unternehmen aktuell in einem Gefangenendilemma – einem „KI-Wettrüsten”, bei dem alle investieren müssen, obwohl keiner profitiert?

Verständnisprobleme

Notiert euch Begriffe oder Argumentationsschritte, die ihr beim Lesen nicht nachvollziehen konntet, zur Klärung in der Präsenzveranstaltung.

Abgabe-Checkliste

Lernziele

  • Methodisch: Ihr könnt das Labour Discipline Model (Bestimmungsfaktoren des Lohns und der Arbeitsleistung) grafisch aufbauen.
  • Inhaltlich: Ihr versteht, warum Arbeitsverträge unvollständig sind und wie Identität (Identity Economics) das Anreizsystem ergänzt.

Leseauftrag

  • CORE Micro Kap. 6, Abschnitte 6.6 bis 6.10 – Lest vollständig. Achtet auf: Principal-Agent-Problem (6.6), Beschäftigungsrente als Disziplinierungsinstrument (6.7–6.8), Best-Response-Kurve (6.9) und das Nash-Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt (6.10).
  • Akerlof & Kranton: „Identity Economics” – Schaut die Interview-Auszüge (Video, New Economic Thinking) zu Organisationen und „Insiders” an. Kernfrage: Warum arbeiten Menschen manchmal mehr als vertraglich gefordert?

Whiteboard-Aufgabe

Zeichnet das Labour Discipline Model (y-Achse: Arbeitseinsatz/Effort; x-Achse: Lohn). Zeichnet die Best-Response-Kurve des Arbeitnehmers ein. Markiert die Beschäftigungsrente. Skizziert daneben mit einem Pfeil, wie die Kurve sich verschiebt, wenn sich der Mitarbeiter als „Insider” mit dem Unternehmen identifiziert (Akerlof): Gleicher Effort bei niedrigerem Lohn – oder höherer Effort bei gleichem Lohn?

Leitfrage (ca. 250 Wörter in OneNote)

CORE 6.6–6.10 zeigt, dass Arbeitgeber über dem Markträumungslohn zahlen müssen, damit Arbeitnehmer sich anstrengen (Effizienzlohn). Erklärt anhand des Textes: (a) Warum ist der Arbeitsvertrag „unvollständig” – was genau kann der Arbeitgeber nicht vertraglich festschreiben? (b) Warum muss der Arbeitgeber eine „Beschäftigungsrente” zahlen, und was hat die Angst vor Jobverlust damit zu tun? (c) Ergänzend: Welchen zusätzlichen Motivationsfaktor beschreiben Akerlof & Kranton, der über reine Kündigungsangst hinausgeht?

KI-Teaser (für die Präsenz)

Überlegt: In Zeiten von Home-Office und KI-Wissensarbeit – wird die Überwachung von Arbeitsleistung schwieriger oder einfacher? Was bedeutet das für das Labour Discipline Model?

Verständnisprobleme

Notiert euch Begriffe oder Argumentationsschritte, die ihr beim Lesen nicht nachvollziehen konntet, zur Klärung in der Präsenzveranstaltung.

Abgabe-Checkliste

Lernziele

  • Methodisch: Ihr könnt Informationsflüsse in Organisationen als Hierarchien vs. Netzwerke darstellen.
  • Inhaltlich: Ihr versteht die Rolle von Institutionen und Verhandlungsmacht (CORE) und Hayeks Argument, warum dezentrales Wissen für Märkte entscheidend ist.

Leseauftrag

  • CORE Micro Kap. 5, Abschnitte 5.1 bis 5.3 – Lest vollständig. Achtet auf die Definitionen von Institutionen (5.1), Macht und Verhandlungsmacht (5.2) und die Rolle von Verhandlungsmacht in wirtschaftlichen Beziehungen (5.3).
  • F. A. Hayek: „The Use of Knowledge in Society” (1945) – Lest gezielt die Abschnitte II bis IV (ca. 6 Seiten). Kernfrage: Warum kann eine zentrale Planungsbehörde laut Hayek nicht effizient wirtschaften? Was meint er mit „knowledge of the particular circumstances of time and place”?
  • Brynjolfsson & Hitzig: „AI’s Use of Knowledge in Society” (2025) – Lest die Einleitung und das Framework (Abschnitte 1–3, ca. 8 Seiten). Kernfrage: Wie verändert KI die Übertragbarkeit von lokalem Wissen?

Whiteboard-Aufgabe

Zeichnet zwei Organisationsdiagramme: (a) Hayek-Modell: Dezentrale Einheiten (Filialmanager) haben lokales Wissen, das nicht übertragbar ist → Entscheidungen müssen dezentral bleiben. (b) KI-Modell (Brynjolfsson/Hitzig): KI kodifiziert lokales Wissen und überträgt es an die Zentrale → Zentralisierung wird möglich. Verwendet Pfeile für Informationsflüsse.

Leitfrage (ca. 250 Wörter in OneNote)

CORE 5.1–5.3 zeigt, dass Institutionen und Machtstrukturen wirtschaftliche Ergebnisse bestimmen. Hayek argumentiert, dass der Preismechanismus dezentrales Wissen koordiniert, das keine zentrale Instanz besitzen kann. Erklärt anhand der Texte: (a) Was versteht Hayek unter „knowledge of the particular circumstances of time and place”, und warum ist dieses Wissen laut ihm nicht zentralisierbar? (b) Welche Rolle spielen „Institutionen” laut CORE 5.1–5.3 bei der Verteilung von Macht in wirtschaftlichen Beziehungen? (c) Wie argumentieren Brynjolfsson & Hitzig, dass KI Hayeks Annahme der Nicht-Übertragbarkeit verändern könnte?

KI-Teaser (für die Präsenz)

Überlegt: Führt KI zu mehr Zentralisierung oder mehr Dezentralisierung in Unternehmen? Was bedeutet das für die Machtverteilung?

Verständnisprobleme

Notiert euch Begriffe oder Argumentationsschritte, die ihr beim Lesen nicht nachvollziehen konntet, zur Klärung in der Präsenzveranstaltung.

Abgabe-Checkliste

Lernziele

  • Methodisch: Ihr könnt Modelle der asymmetrischen Information (Adverse Selection, Signaling) anwenden.
  • Inhaltlich: Ihr versteht, wie Informationsdefizite Märkte zerstören können (Lemons Problem) und welche Mechanismen dagegen helfen.

Leseauftrag

  • CORE Micro Kap. 10, Abschnitte 10.7 bis 10.10 – Lest vollständig. Achtet auf: Hidden-Action-Probleme (10.8), Versicherungsmärkte (10.9) und das Hidden-Attributes-Problem / Adverse Selection (10.10). Arbeitet die Beispiele durch (Gebrauchtwagenmarkt, Versicherung).

Whiteboard-Aufgabe

Zeichnet das Adverse-Selection-Problem als Flussdiagramm: Verkäufer kennt die Qualität → Käufer kennt sie nicht → Käufer bietet Durchschnittspreis → Gute Verkäufer ziehen sich zurück → Durchschnittsqualität sinkt → Markt bricht zusammen. Notiert daneben: Welche Gegenmaßnahmen nennt der Text (Signaling, Screening)?

Leitfrage (ca. 250 Wörter in OneNote)

CORE 10.7–10.10 zeigt verschiedene Formen von Informationsproblemen auf Märkten. Erklärt anhand des Textes: (a) Was ist der Unterschied zwischen „Hidden Action” (Moral Hazard) und „Hidden Attributes” (Adverse Selection)? Nennt je ein Beispiel aus dem Text. (b) Wie funktioniert der Markt-Zusammenbruch bei Adverse Selection (Lemons Problem): Warum ziehen sich gerade die guten Anbieter als Erste zurück? (c) Wie kann „Signaling” dieses Problem mildern – was macht ein Signal glaubwürdig?

KI-Teaser (für die Präsenz)

Überlegt: Was passiert auf dem Arbeitsmarkt, wenn KI-generierte Bewerbungen es unmöglich machen, gute von schlechten Kandidaten zu unterscheiden? Ist das ein Lemons-Problem?

Verständnisprobleme

Notiert euch Begriffe oder Argumentationsschritte, die ihr beim Lesen nicht nachvollziehen konntet, zur Klärung in der Präsenzveranstaltung.

Abgabe-Checkliste

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